T U R N P L Ä T Z E

Impressum

Kunnersdorf hatte drei Turnvereine und somit auch drei Turnplätze:

ATUS Arbeiter Turn- und Sportverein – statuiert 1930

Deutscher Turnverein Kunnersdorf – gegründet 1906

Kommunistischer Turnverein – gegründet 1905

 

Die meisten Mitglieder hatte der Deutsche Turnverein, dem folgten die ATUS-Turner (Arbeiter-Turn- und Sportverein) und nicht zuletzt der Kommunistische Turnverein.

Jeder Turnverein hatte seinen Sportplatz. Diese Sportplätze hatten die einzelnen Vereine selbst gebaut.

 

Der Turnplatz des Deutschen Turnvereins war der größte. Er wurde in Eigenregie in den zwanziger Jahren von den Vereinsmitgliedern in mühsamer Arbeit errichtet, besaß ein von der Familie Clement Körner bewohntes und verwaltetes festes Wohnhaus, mit anschließendem Geräteraum, ein weiteres Gebäude mit Umkleidekabinen und einen Raum für Zusammenkünfte. Ein in den alten Bruch übergehendes Schwimmbad baute man in den dreißiger Jahren und im alten Bruch selbst errichteten die Turner eine Hindernisbahn, um auch den älteren sportlich Interessierten die Möglichkeit zu Ertüchtigungen zu bieten.

Die ganze Anlage befand sich in einem Birkenhain östlich des Ortsteils "Hütte". In unendlich vielen Freizeitstunden haben alle Vereinsmitglieder im wahrsten Sinne des Wortes geschuftet. Hier einige Bilder von der Entstehung dieses Turnplatzes:

 

Bauarbeiten Turnplatz Deutscher Turnverein

Bauarbeiten Turnplatz Deutscher Turnverein

Bauarbeiten Turnplatz Deutscher Turnverein

Schubkarre für Schubkarre wird Erde bewegt - rechts oben entsteht die Empore am Kopf des Turnplatzes, auf dem der Turnvater-Jahn-Gedenkstein später seinen Platz findet. Als Zug- und Arbeitstiere wurde auch hier, wie in Kunnersdorf allgemein üblich, Milchvieh eingesetzt, in unserem Fall sind es Ochsen.

 

Wohn- und Gerätehaus großer Turnplatz     Turnvater-Jahn-Gedenkstein

Teilansicht des großen Turnplatzes, links das Wohn- und Gerätehaus, nach dem Seeberg zu die Empore (Steinmauer) auf dem der rechts gezeigte  Turnvater-Jahn-Gedenkstein etabliert war.

 

 

Auch noch aus heutiger Sicht war dieser Turnplatz hervorragend durchdacht, er war zweigeteilt, hatte einen großen Platz für Aufmärsche, Fuß- und Handballspiele (allerdings mehr Hand- als Fußball), für Großkundgebungen, Sonnwendfeiern, jährliche Schulsportfeste und anderer Veranstaltungen sportlicher Disziplinen wie Gymnastik-Großveranstaltungen, Leichtathletik jeder Art und vieles mehr. Er erweiterte sich noch einmal um die Empore an seinem Kopf, auf der eine kleinere Gruppe Teilnehmer Platz finden konnte und auf der ein Gedenkstein an Turnvater Jahn plaziert wurde. Auf dem kleineren Sportplatz oberhalb dieses Platzes waren Sprunggruben für Weit- und Hochsprung. Hier konnten auch kleinere Gruppen Spiele veranstalten, ohne den Ablauf auf dem großen Plaltz zu stören, für mannigfaltige Disziplinen war ausreichend Raum.

Das Turnplatzende versah man mit einer breiten Auffahrt vom Ortsteil Hütte her kommend, die Ausfahrt befand sich auf der gleichen Höhe Richtung Eisenberg, es war also möglich, die Turner bzw. Festteilnehmer ein- und ausmarschieren zu lassen ohne störende Stauungen. Rund um den Turnplatz hatte man Sitzbänke für Zuschauer in zwei Etagen errichtet. Außerdem gab es an der Querseite in der Nähe des Platzwarthauses eine kleine Empore für illustre Gäste zur besseren Sicht auf das Spiel. Wie das Bild oben zeigt, hatte man nahe am Haus auch Tische zu den Bänken gezimmert, man konnte dort gemütlich das mitgebrachte Essen verzehren und sich beim Platzwart etwas zu Trinken dazu kaufen.

 

Turnplatz: Freiwillige Helfer halten eine Arbeitspause Turnplatz: Die obere der beiden Sitzböschungen

Freiwillige Helfer halten eine Arbeitspause

Die obere der beiden Sitzböschungen

Wohnung der Familie Körner

Die Wohnung der Familie Körner mit  angebautem Geräteraum und einer Veranda. Dahinter sieht man leicht verdeckt das Geländer der Zuschauerempore.

Eingang des Turnplatzes

Das ist der Eingang des Turnplatzes. Im Hintergrund die Häuser Linke, Schimana und Ortsteil "Hütte". Fleißige Mädchen machen die Auffahrt sauber. Die Ausfahrt lag gegenüber.

 

 

Zu jeder Zeit war es möglich, Sportgeräte wie Bälle, Tamburine, Keulen, Schnüre oder sonstige Geräte für Gruppenspiele zu leihen und Spielfelder aufzubauen. Das Ausleihen war kostenlos, desgleichen das Baden in dem zwar kalten, aber sauberen Schwimmbad, das sich hinter dem Wohnhaus in Richtung alten Bruch in ansehnlicher Größe befand und ein  Planschbecken für die Allerkleinsten, Bänke zum Sitzen und  eine Sonnenböschung hatte.

 

Schwimmbadrand und Sonnenböschung

Schwimmbadrand und Sonnenböschung, links oben ist der kleinere Turnplatz

 

Zur großen Freude der Jugend konnte der Sportplatz auch wintertags genutzt werden, weil der Sportplatzwart Körner im Winter ungefähr ein Drittel des großen Platzes durch Spritzen mit Wasser zu einem Schlittschuhplatz verwandelte.

 

Wie die Gedenkschrift des Heimatfreundes Karl Kraus berichtet, war auf diesem Turnplatz  am 8. August 1928 ein großes Turn- und Sportfest des internationalen Turnvereins. Gäste aus Deutschland, aber auch sehr viele Tschechen aus der Umgebung, sogenannte "Scouts", waren gekommen.

 Am 2. September 1928 fand anläßlich des 150jährigen Geburtstages von Friedrich Ludwig Jahn die Enthüllung des Jahn-Gedenksteines statt, verbunden mit großen Festaufzügen von ca. 20 Festwagen.

Am 1. Juli 1930 hatte der Deutsche Turnverein ein 2. Heimatfest ausgerichtet. Es kamen 39 Festwagen mit 52 Gruppen. Das Fest war ein voller Erfolg.

Am 8./9. September 1934 hielten Deutsch-völkische Turnvereine ein Herbstschauturnen ab. Am 30. Mai 1937 fand am neuhergerichteten Turnplatz ein großes Spiel- und Turnfest der Deutschen Volksschule statt. 305 Kinden nahmen bei herrlichem Wetter teil. Die Vorführungen leitete der allseits bekannte und beliebte Lehrer Karl Härtl. 

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Wie oben erwähnt, waren noch zwei weitere Turnplätze vorhanden.

Und zwar war einmal ein eingeebneter Platz von mittlerer Größe hinter der Ziegengasse, also in Ortsnähe. Er gehörte den ATUS-Turnern, die diese Anlage ebenfalls in Eigenarbeit errichteten. Dieser Turnplatz hatte ein festes Gebäude für Zusammenkünfte und für Gerätschaften. Laut Gedenkschrift des Lm. Karl Kraus fand auf diesem Turnplatz, angeblich hieß er "Einigkeit", am 26. 8. 1934 ein Sommerfest der Bezirksorganisation der Kommunistischen Partei statt.

 

Ein weiterer ähnlicher Größe war der Sportplatz des Kommunistischen Turnvereins, erbaut in den dreißiger Jahren ebenfalls in Eigenarbeit. Er befand sich auf der "Hort", wie der Landschaftsteil zum Wald hin in Richtung Eisenberg benannt wurde, in der Nähe des Perner-Luftschachtes. Er hatte kein festes Gebäude und auch Sitzbänke fehlten. Es war ein einfacher begradigter Platz, der für Spiele, Kundgebungen u. dgl. genutzt wurde.

 

Beide Turnplätze lagen ziemlich frei ohne schattenspendendes Gebüsch. Leider haben wir von beiden Turnplätzen kein Beschreibungs- und Bildmaterial. Sollte jemand Anschauungsmaterial besitzen und dies  zur Veröffentlichung freigeben wollen, wären wir für die Zusendung dankbar. Die Adresse finden Sie im Impressum.