L A N D W  I R T S C H A F T

Impressum

Obwohl Kunnersdorf eigentlich größtenteils ein Arbeiterdorf war, gab es doch einige Bauern, zwar mehr kleinere als große. Die einzelnen landwirtshaftlichen Anwesen waren – von heute aus gesehen – eher klein. Die wenigsten Bauern hatten einen Grundbesitz von mehr als 20 ha, wie z. B. der Bürgermeister Karl Schwab oder der Bauer Raika und wenige andere. Sie siedelten längs des Baches im oberen und unteren Dorf, hatten ihre Anwesen nach der Straße hin überwiegend abgeschirmt durch Scheunen und Stallungen, oder ihre Wohngebäude mit den Giebelseiten und anschließendem Tor zur Straße gebaut. Auf der Straßenseite gab es so gut wie keine offenen Höfe, im Ausnahmefall rahmte eine Mauer das Gehöft ein, oder aber – wie in der Ziegengasse – war vor dem Wohnhaus ein Hof mit zur Straße hin vorgelagertem Garten angelegt.

Angebaut wurden neben Kartoffeln, die besonders gut schmeckten, auch Zucker- und Futterrüben, Weizen, Roggen, Gerste und Hafer. Für den Viehfutterbedarf war Grasland vorhanden, es wurde Heu "gemacht" und Grummet, das ist die dritte Maht im Spätsommer, ein kurzes Gras, das besonders aromatisch ist und für das Vieh sehr wertvoll war, denn das Vieh blieb ganzjährlich im Stall stehen. Viehweiden, wie man sie im Westen kennt, gab es in K. nicht, nur kurz vor Wintereinfall ließ man die Rinder noch einmal auf den Wiesen das letzte Gras abweiden.

Für die Feldarbeit verwandte man Rinder, in der Hauptsache Ochsen, aber oftmals auch Kühe, je nach Größe des Hofes. Lediglich die größeren Bauern wie Raika, Schwab und vielleicht ein oder zwei andere besaßen für die Feldarbeit Pferde. Wie erinnerlich hatte nur der Bauer Raika einen Traktor.

 

Bauer Groll bei der Feldbestellung

 

Diese Art der Feldbestellung - wie hier der Bauer Groll aus Schimberg mit seinen Ochsen war keine Seltenheit. Oftmals waren bei den kleineren Bauern keine Ochsen vorhanden, so daß auch Milchkühe eingespannt werden mußten.

Neben Rindern hielten unsere Bauern auch Kleinvieh wie Ziegen, Schweine, Gänse, Enten, Hühner und Kaninchen, vereinzelt auch Schafe, jedoch nicht in großen Mengen.

Im Gegensatz zur heutigen Landwirtschaft wurden die Feldarbeiten, wie Kartoffel roden, Rüben ernten, Wiesen mähen, Getreide schneiden, manuell ausgeführt. Nur wenige größere Bauern hatten die eine oder andere landwirtschaftliche Maschine, wer wie im einzelnen ausgerüstet war, ist jedoch nicht mehr bekannt. Wie in der Gedenkschrift des Herrn Karl Kraus vermerkt, hat der Land- und Forstwirtschaftliche Verein vereinzelt größere Maschinen angeschafft und diese dann im jeweiligen Bedarfsfall an seine Mitglieder abwechselnd zu einem erschwinglichen Preis vermietet. Allerdings wurden viele Arbeiten überwiegend  mit der Hand ausgeführt, Sensen, Dreschflegel, Pflugscharen, Hacken u. dgl. waren keine unbekannten Geräte.

Neben dem Ackerbau und der Viehzucht hatte jeder Landwirt seine Obstbestände. Eine bestimmte Menge direkt hinter dem Haus, aber in der Hauptsache pflanzte man am Waldrand schön ausgerichtete Baumreihen (auf obigem Bild deutlich erkennbar), weil dort die Feldbearbeitung wegen des Gefälles etwas schwierig war. Man nannte diese Felder "Obstgärten". Kirschen, Birnen, Äpfel und Pflaumen pflanzte man. Im Frühjahr zur Baumblüte boten diese Obstgärten ein wunderschönes farbiges Bild entlang der Berge. Die unter den Obstbäumen befindlichen Grasflächen weideten Ziegen ab, das "Ziegenhüten" war meistens die Arbeit des Nachwuchses, der diese Aufgabe besonders gerne zur Reifezeit annahm, konnte man sich doch dabei so richtig sattessen mit Kirschen oder dem leckeren Obst.

Soweit erinnerlich, gab es im Ober- und Unterdorf folgende Bauern: Karl Schwab,  Franz Raika, Theresia Seifert, Marie Seifert (Willi), Willi Seifert (Obstbauer), Josef Hohnl, Eduard Hönl, Anton Dienelt, Alois Dienelt, Franz Klöcker, Karl Müller, Josef Kupferschmied (Unterdorf), Josef Kupferschmied (Oberdorf), Ferdinand Reichl, Gustav Reichl, Rudolf Reichl, Franz Nedwed, Josef Schmotz, Heinrich Enzmann, Franz Thiel, Josef Rosenlacher, ? Köllner.

 

Der Ortsteil Hütte hatte keine Landwirte. Dafür aber zwei Hühnerfarmen. Eine der Hühnerfarmen befand sich gegenüber dem Gasthaus Gallert und gehörte der Familie Ignaz Köhler, den anderen Hühnerhof konnte man "auf der Hort" in der Nähe des Luftschachtes Perner finden, der Besitzer ist nicht erinnerlich. In der Hauptsache dienten diese Farmen der Aufzucht von Hühnern und dem Verkauf von Eiern und Schlachtvieh.

Die hier folgenden Bilder von Bauernhäusern aus unserem Ort wurden z.T. von Fotokopien alter Bilder gescannt und sehen demnach entsprechend aus. Die Charakteristika dieser Häuser kann man jedoch gut erkennen und die Erzähler glauben, daß die Kunnersdorfer beim Betrachten dieser Bilder die gleiche Freude empfinden wie sie. Leider haben wir nicht von allen Höfen eine Ansicht, aber vielleicht kann jemand welche hereingeben? Im Impressum steht die Adresse.

Rechts  ist die sogenannte "Powidlquetsch" aus dem oberen Dorf. Das Haus lag in der Gabelung Bezirksstraße / Weg nach Hohenofen und Schimberg. Zwischen Haus und Weg floß der Dorfbach. Dieses romantische Anwesen gehörte der Familie Walter. Warum das Haus in der Bevölkerung diesen Namen erhielt, ist nicht mehr erinnerlich. Haus Powidlquetsch
Haus Äpplseifert

Das nächste Bild zeigt das Haus des Landwirts Franz Seifert, des "Äpplseifert". Äpplseifert deswegen, weil er sich mehr auf Obstbau als auf Landwirtschaft spezialisierte und mit dem Obstbau seinen Lebensunterhalt bestritt. Was nicht heißen soll, daß er sein übriges Anwesen nicht landwirtschaftlich nutzte. Sein Obst war wirklich gut.

Rechts ist  das Wohnhaus der Landwirtsfamilie Karl Schwab. Karl Schwab war lange Jahre ein beliebter Bürgermeister unseres Ortes. Sein Anwesen gehörte zu einem der größten in Kunnersdorf.

Unten das Haus des Landwirts Josef Honl, an der Einmündung der Straße zur Hütte. Gegenüber der Hof Alois Dienelts, dessen Scheune man noch sieht (leider ist der Honl-Bauernhof nur mit dieser

Wohnhaus der Landwirtsfamilie Karl Schwab
Front sichtbar und leider haben wir kein anderes Bild, es ist zu vermuten, daß dies die Ställe waren). Rechts das Hauptgebäude Dienelt, gegenüber sieht man die Einmündung des Brückls zur Tabaktrafik Krehan.

Einmündung des Brückls zur Tabaktrafik Krehan

Hauptgebäude Dienelt

 

       

Tabaktrafik Krehan

 

Das ist dieTabaktrafik Krehan. Tabaktrafiken waren  in kleinen Häuschen untergebrachte Tabakläden. Im oberen Dorf war das die Trafik Krehan, im unteren Dorf die Trafik Weigel und auf der Hütte die Trafik Marschat am Eingang der schräg geführten Straße zum oberen Teil.

Unterhalb Schwabs war ein weiterer Bauernhof angesiedelt, der der Familie Müller gehörte, ein Bruder hatte sich am selben Hof zur Straße  hin eine Tischlerei eingerichtet und bildete  Lehrlinge aus.  Nach diesem Bauernhof folgte  das Kolonialwarengeschäft Panzner (siehe nächstes Bild rechts) Das kleinere Haus links daneben gehörte dem letzten Bauern im oberen Dorf, nämlich dem

Bauernhof Familie Müller
Bauer Josef Kupferschmied.

Von dem Bauernhof sah man nur die Frontseite. In dem der Straße zugewandten Teil in dem kleineren Anbau, den man nicht mehr sieht, hatte die Fleischerei Grund aus dem unteren Dorf eine Filiale eingerichtet. Leider haben wir nur dieses Bild.

Kolonialwarengeschäft Panzner
      Der erste Bauernhof im unteren Dorf gehörte der Seifert Resl. Sie bewirtschaftete ihn mit einem Knecht. Der Hof lag gegenüber der Tropschugmühle. Ganz rechts sehen Sie die Kappelle und daneben die ehemals tschechische Schule.

Das nächste Bild eines Kunnersdorfer Bauernhofes enthielt ein Kuriosium. Es war der Hof des Bauern Willi Seifert am Eingang der Ziegengasse.

  Kappelle und die ehemals tschechische Schule
An der Querseite des Hofes nach dem Gebirge hin stand eine Scheune (unten rechtes Bild), in der  früher im Erdgeschoß ein Schafstall unterkam. Im Obergeschoß, das noch deutlich zu erkennen ist, befand sich ein Tanzboden, der von den Jugendlichen vor und in den zwanziger Jahren gerne benutzt wurde.

 

Hof des Bauern Willi Seifert Scheune, Hof Willi Seifert

Die Treppe und die Fenster oben kann man deutlich erkennen.

       

Einige Häuser weiter auf dieser Seite befand sich der Bauer Reichl und schräg gegenüber auf der anderen Straßenseite der Bauer Raika; auch einer der größten Bauern Kunnersdorfs. Von den anderen Bauernhäusern im unteren Dorf sind keine Bilder vorhanden. Sollte jemand über welche verfügen, könnten wir sie auch veröffentlichen, wenn Sie diese an die Adresse im Impressum senden.

  Bauernhäusern im unteren Dorf
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Zum Schluß noch eines der ältesten Häuser Kunnersdorfs, das Haus Nr. 44 des Franz Hennrich.

Es war noch mit Stroh gedeckt und befand sich im unteren Dorf am Weg zum Luftschacht bzw. nach Neudorf.

 

 

 

Haus Nr. 44, Franz Hennrich